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Geschichte unseres Vereins

Wenn ein Sportverein im ausgehenden 19. Jahrhundert gegründet wurde und noch bis heute  existiert, gibt es reichlich aus seiner Geschichte zu erzählen. Aus alten vergilbten Protokollbüchern kann man so einiges entnehmen.

Da ist von der Liebe zum Schwimmsport, aber auch von Anfeindungen tugendsamer Sittenwächter die Rede. Es wird festgestellt, dass der Rudersport in Deutschland nur 2 Jahre älter als der Schwimmsport ist und im Jahr 1835 seine 1. Vereinsgründung hatte. Es wird davon berichtet, dass im Jahr 1882 die ersten deutschen Meisterschaften im Schwimmsport durchgeführt wurden. Der Zeit entsprechend wird die Notwendigkeit der Leibesertüchtigung wegen seiner Auswirkungen auf die Gesundheit herausgestellt. Hin und wieder tauchte dann auch das "für Kaiser und Vaterland" auf. Schon aus diesen Redewendungen lässt sich ablesen, dass sich die Geschichte Deutschlands auch in der Geschichte des Vereins widerspiegelt. Die Gründung eines Schwimmvereins war naturgemäß abhängig von dem Vorhandensein von Schwimmhallen oder Freibädern. Als im Jahre 1894 die Stadt Bochum schon frühzeitig die heute nicht mehr vorhandene Badeanstalt an der Marienstraße erbaute, brauchten sich die schwimmbegeisterten Bochumer Jungen nicht mehr verbotswidrig aus dem Elternhaus wegstehlen, um in der Ruhr die ersten Schwimm- und Tauchkünste zu unternehmen.

 

Vereinsgründung 1896

 

Hier nun einige Auszüge aus den Protokollen: "Am 16. März 1896 erschien im Bochumer Anzeiger eine Anzeige, in der die Schwimmsportfreunde Bochums aufgefordert wurden, sich zwecks Gründung eines Schwimmvereins im oberen Saale des Stadttheaters einzufinden. Der Werbekraft dieser Anzeige und den beherzigenswerten Ansprachen der Herren Cosmann (Münster) und Stiefelhagen (Bochum) war es zu verdanken, dass am gleichen Abend einige 20 Herren und 15 Schüler dem zu gründenden Schwimmverein beitraten. Der Gründungsversammlung voraus ging am 15. März 1896 ein Schauschwimmen des rheinisch-westfälischen Schwimmerbundes, das einen großen Werbeerfolg zu verzeichnen hatte, war doch der damalige Bochumer Magistrat durch den Oberbürgermeister Hahn, Bürgermeister Lange, Stadtbaurat Bluth vertreten, die später dem Verein als Mitglieder beitraten. Der Berichterstatter des Bochumer Anzeigers bemerkte in seinem Artikel u.a.: "Die meisten Beifallssalven ernteten die Nummern Hechttauchen und Rettungstauchen, das Tauchen nach Gegenständen, das Kürschwimmen und die Wasserkünste, welche sämtlich mit unglaublicher Sicherheit und Anmut, begleitet von den manchmal durch Beifallsstürmen übertönten Klängen der Musikkapelle, unter der Leitung des Bademeisters Brahn, ausgeführt wurden!" Die eigentliche Gründungsversammlung, die von 40 Personen besucht wurde, fand am 28. März 1896 im kleinen Saal des Stadttheaters statt. Übungsstunden fanden montags- und mittwochsabends statt. Die Vereinspioniere entfalteten in der Folgezeit eine rege Werbetätigkeit und hatten auch Erfolge zu verzeichnen, um die wir sie heute beneiden können. Mit säumigen Mitgliedern wurde kurzer Prozess gemacht, wie eine Notiz unterm 6.10.1896 im Protokollbuch beweist, dass einem Mitglied der Rat erteilt worden ist, aus dem Verein auszutreten, da er sich nicht an den Übungen und Versammlungen beteilige. Im Oktober 1896 wurde der Verein in den rheinisch-westfälischen Schwimmerbund aufgenommen.

 

Erste Wettkämpfe

 

7000 Zuschauer zählte man beim ersten großen Kanalschwimmen 1903 in Hafen Ludwig in Herne; Zahlen, die uns heute nach 68 Jahren noch vor Neid erblassen lassen. Vom Kanalschwimmen an gleicher Stelle im Jahre 1907 wird sogar berichtet, dass über 10.000 Zuschauer begeistert Beifall geklatscht haben. Wie froh wären wir, wenn diese Zahlen heute noch erreicht werden könnten. Im Juni 1904 stieg das erste Schwimmfest im Gondelteich der Kaiseraue, die in den späteren Jahren, wegen des Fehlens von Freibädern in Bochum, noch oft zu sportlichen Veranstaltungen und Schwimmfesten genutzt wurde. Dem finanziellen und sportlichen Erfolg steht aber gegenüber, dass das Schwimmfest einen von Sittlichkeitsaposteln entfachten Feldzug gegen das Schwimmen zur Folge hatte. Der damalige Vorstand setzte sich aber kräftig zur Wehr und verwahrte sich gegen den Vorwurf, dass sich die Schwimmer gegen Eintrittsgeld neugierigen Frauen- und Mädchenaugen nur mit einem Leibgurt bekleidet sehen ließen. Entrüstet wird darauf hingewiesen, dass von den Schwimmern ohne Ausnahme ein von den Knien bis zum Halse reichendes, mit Monogrammen der verschiedenen Vereine geschmücktes Trikot getragen worden sei, das den ganzen Oberkörper verdeckte; man würde im Gegenteil noch manches Fest in Bochum selbst oder in der Umgebung in derselben Form feiern."

 

Kriegszeit

 

In den Wirrungen nach dem 1. Weltkrieg fanden viele Mitglieder Halt bei ihrem Verein und ihrem Schwimmsport. Der Schwimmverein legte nunmehr endgültig seinen heutigen Namen mit den Farben Blau-Weiß fest. Bis zum Beginn des 2. Weltkrieges gab es dann viele nationale und internationale sportliche Erfolge im Schwimmen, Turmspringen und sogar in der Leichtathletik zu verzeichnen. Leider wurde dann im 2. Weltkrieg das Marienbad in Bochum durch Bomben zerstört, so dass nunmehr der Schwimmsport nur noch mit starken Einschränkungen ausgeübt werden konnte.

 

Aufbau eines Vereinsbades

 

Als nach dem Ende des Krieges immer mehr Männer aus der Kriegsgefangenschaft nach Hause kamen, wuchs bei den Mitgliedern des Schwimmvereins der Wunsch, ein eigenes Freibad zu bauen. Wenn in den Chroniken so nett von den "verschiedenen Hürden" geschrieben steht, die es zu überwinden galt, muss man sich jedoch vor Augen halten, dass der finanzielle Aufwand für die Errichtung eines Freibades die Möglichkeiten des Vereins sprengte. Trotzdem wurde das Projekt "angepackt". Zeitzeugen berichten heute noch mit Begeisterung und mit einem gewissen Schmunzeln über die Umsetzung der Idee in die Wirklichkeit. Die kommunalpolitische Absicherung, die behördliche Genehmigung, die Anpachtung des Grundstücks, die Planung und der Ausbau wurden mit vereinter Kraft und mit viel Hirn- und Muskeleinsatz im Jahr 1949/1950 geschafft. Das Schmunzeln unserer Zeitzeugen kann man dann verstehen, wenn man sich folgendes vor Augen führt: Als nach Abschluss vereinter Schaufelarbeit die Vereinsmitglieder sahen, welche Ausmaße das geplante Becken für 25x15 m haben wird, sahen sie sich nicht zufriedengestellt. Über die Nacht wurde beschlossen, wir erweitern das Becken auf 50 m Länge! Gesagt, getan, es wurde weitergeschaufelt. Am Ende der Baumaßnahme stand dann ein präsentables Becken mit den Ausmaßen 50x15 m. Diese Änderung muss man sich einmal zur heutigen Zeit vorstellen. Zuständige Genehmigungsbehörden würden mit Entsetzen darauf reagieren. Die bauliche Erweiterung hatte natürlich zu Folge, dass auch der Finanzierungsplan überarbeitet werden musste. Mit einigen "Vieraugengesprächen" wurde bei den Kreditgebern Vertrauen zu dem Schwimmverein erzeugt. Letztendlich entstand ein vorzeigbares vereinseigenes Objekt, das aus einem Schwimmbecken, einem Kinderbecken, einem 2 1/2 geschossigen Haus (Gaststätte) und den anliegenden Umkleide- und Technikgebäuden bestand.

 

Ausbau des Bades auf "Olympische Maße"

 

Im Jahre 1977 wurde dann aufgrund von in Aussicht stehenden Landeszuschüssen die Idee entwickelt, das Bad zu erweitern. Im September 1978 wurde das Becken abgebrochen. Die Firma Heitkamp baute dann im Winter das neue Becken. Mit Stolz konnte dann Ende Mai 1979 das neue Becken mit den Ausmaßen 50x25 m in Betrieb genommen werden. Mitte der Neunziger Jahre wurde unsere arg kleine Liegewiese durch Hinzupachtung eines Teilgeländes des südlichen Wiesentals erheblich vergrößert. Die Geschichte dieses Vereins bietet noch viel mehr Momente, die erzählenswert sind. Denn es sind vor allen Dingen die sportlichen Erfolge, die es den Mitgliedern ermöglicht haben, das vereinseigene Bad zu bauen und zu betreiben. Ohne diese sportlichen Erfolge bekämen wir keine Zuschüsse und auch keine Annerkennung in der Gemeinnützigkeit. Ein reiner "Bade- und Wellnessbetrieb" würde die Finanzierung dieser schön gelegenen Anlage auf Dauer nicht mehr leisten können.

 

Errichtung einer Traglufthalle

 

Im Jahre 2012 wurde durch die Stadt Bochum die Genehmigung zur Errichtung einer Traglufthalle erteilt. In einer denkwürdigen Jahreshauptversammlung, die mit über 500 Vereinsmitgliedern rekordverdächtig besucht war, wurde mit überwältigender Mehrheit beschlossen, den Badebetrieb für alle Vereinsmitglieder auf 12 Monate auszudehnen. 

In dem langen und strengen Winter 2012/2013 konnten die Arbeiten an den Fundamenten für die Traglufthalle nur unter erheblichen Anstrengungen fertiggestellt werden. Der Erstaufbau der Traglufthalle erfolgte im Oktober 2013. Ein langjähriger Traum vieler Mitglieder ging in Erfüllug. Im Winter kann in der Traglufthalle geschwommen werden und von Mai bis Oktober steht das Freibad zur Verfügung.