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Ironman 70.3 Duisburg – Platz 8 in der Teamwertung

Nicole Pál gewinnt die AK und qualifiziert sich für WM in Neuseeland

28.08.2023

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Zahlen und Fakten in Kürze:

Am 06. August standen insgesamt 23 BW-Triathleten an drei verschiedenen Orten an der Startlinie: Hoch im Norden, in Glücksburg, ging Lars Kalender beim Ostseeman auf seine zweite Langdistanz des Jahres, bei der auch die Deutschen Meisterschaften ausgetragen wurden. Nach 9:58:47 Std kam er als 29. von 150 Männern und auf Platz 4 seiner Altersklasse ins Ziel. Zeitgleich waren zwei Liga-Mannschaften sowie einige Einzelstarter in Sassenberg unterwegs (Bericht erfolgte).


Beim „Heimspiel im Pott“ über die Mitteldistanz, dem Ironman 70.3 in Duisburg, belegten die Blau-Weißen in der Team-Wertung den achten Platz. Nicole Pál knackte mit 4:51:15 Std die 5-Stunden-Marke, siegte in ihrer Altersklasse und qualifizierte sich damit für die Mitteldistanz-WM 2024 in Neuseeland (1. von 41 AK45, 20. von 388 Frauen gesamt). Frank Wacker, der erst im vergangenen Jahr am Triathlon-Einsteigerkurs des Blau-Weiß Bochum teilnahm, ging in der AK50 an den Start und brachte seine erste Mitteldistanz in 5:38:41 Std ins Ziel (118. von 179 AK50, 1119. von 1530 Männer gesamt). Die weiteren Ergebnisse: Maik Emmerich (4:54:02 Std / 87. von 255 AK30 / 446. von 1530 Männer gesamt), Sebastian Wissmann (5:04:40 Std / 68. von 162 AK45 / 628. von 1530 Männer gesamt), Vanessa Bartsch (5:14:23 Std / 9. von 41 AK45 / 82. von 388 Frauen gesamt), Dominik Asmuth (5:14:28 Std / 41. von 132 AK55 / 775. von 1530 Männer gesamt), Eva Böde 5:47:52 Std / 22. von 44 AK50 / 209. von 388 Frauen gesamt), Lothar Hüther 5:48:27 Std / 90. von 132 AK55 / 1227. von 1530 Männer gesamt), Manuel Pichler (5:53:44 Std / 136. von 162 AK45 / 1263. von 1530 Männer gesamt).

 

Mehr als Zahlen und Fakten:
So ein Rennen beinhaltet meist mehr als die am Ende gemessenen Zeiten und Platzierungen. Hier drei persönliche Geschichten zu Vorbereitung und Rennverlauf:

1. Von der Schnapsidee über den BW-Rookie-Kurs zum Ironman 70.3 nach Duisburg

2. Neue Bestzeit beim „zweiten Mal“

3. Fünf Minuten, fünf Stunden und die Reise um die Welt


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Von der Schnapsidee über den BW-Rookie-Kurs zum Ironman 70.3 nach Duisburg
…und irgendwo dazwischen noch Rennrad und Laufschuhe kaufen…
Eigentlich kann die „Anmeldung für Duisburg“ am 18.01.2023 nicht das Resultat einer realistischen Einschätzung meiner bisherigen Fähigkeiten und Fitness gewesen sein. Zu dem Zeitpunkt hatte ich nichtmal ein Rennrad und erst seit 3 Monaten Laufschuhe (der Bunert-Verkäufer wollte meine alten Schuhe einem Museum überlassen, da er das Modell trotz 10 Jahren Berufserfahrung nicht kannte).
Immerhin hatte ich über den erstmals angebotenen BWB-Rookie-Kurs bei Lars und einigen Gastdozenten sowie mit tollen ebenfalls zu allem bereiten Pilotteilnehmern, das wöchentliche Lauftraining bei Werner und das ebenfalls wöchentliche Schwimmtraining bei Björn und nicht zuletzt über die soziale Kontrolle der jeweils übrigen Trainingsteilnehmer wenige Möglichkeiten, notwendige Trainingsstunden „aus Versehen“ zu verpassen: Spond, WhatsApp, Strava und – noch viel schlimmer – regelmäßiger persönlicher Ansprache sei Dank.
Eine Winterlaufserie, eine olympische und zwei Sprintdistanzen später wurde es dann ernst. Aus dem beruhigenden „über einem halben Jahr bis Duisburg“ wurden plötzlich nur noch 4 Wochen, eine in dem Moment niederschmetternde Erkenntnis und gleichzeitig die große Stunde all derjenigen, die mir zwar auch schon vorher, aber gerade ab da viele hilfreiche Tipps gegeben, Last-Minute-Trainingspläne geschickt, Equipment verkauft, geliehen und überlassen haben. Teilweise herausfordernd war die Eigenleistung der Entscheidungsfindung bei konkurrierenden Tipps, aber so viele gab es davon nicht. Am Ende waren alle hilfreich und ich bin für jeden davon dankbar. 
Dann die letzte Woche vor dem Rennen. Gefühl: schlecht vorbereitet, kein gutes Ernährungskonzept, unsicheres Material, nicht vorbereitet auf Pannen und ganz sicher der Rieseneinbruch auf der Laufstrecke mit Einlauf im Stadion „geschoben vom Besenwagen“.
Das hielt aber nur kurz, weil mich einige Weggefährten an all das erinnert haben, was ich seit der Idee für das Rennen getan hatte. Da passte am Ende alles, bis hin zu Mut machenden und einordnenden Sprachnachrichten am Vorabend. 
Am Rennwochenende selbst und am Renntag noch viel mehr war es für mich perfekt, so viele weitere Blau-Weiße an meiner Seite zu sehen, die auch immer nochmal geprüft haben, ob das Fahrrad richtig steht, die Beutel richtig gepackt und aufgehängt sind, der Neopren auch wirklich die äußerste Kleidungsschicht und geschlossen ist, ich am Start die „richtige“ Brille aufhabe, der Chip am Knöchel hängt usw.
Dann ging es als einer von dreien ins Gatter und ab der „Tröte“ waren alle Ängste weg und es lief total super – so super, dass ich mir am Schwimmausstieg fast das Kinn aufgescheuert hätte, weil ich wohl zu lange weitergeschwommen bin.
Wechsel aufs Rad dann „stets bemüht und im Rahmen meiner Möglichkeiten“ (O-Ton Nicole: da sind noch ein paar Laktat-freie Minuten drin), gut losgekommen, dann nach 3km die Ernährungsflasche an einem Schlagloch verloren, aber beim Bemerken erstaunlich ruhig geblieben. Einfach weitergefahren, alle Gels gegriffen, die ich an den Stationen kriegen konnte und dadurch mein Ernährungskonzept auch im bis dahin nicht vorhandenen Ausfallkonzept gestemmt.
Ich bin weiterhin beeindruckt, wie sehr es unterwegs hilft, bekannte anfeuernde Gesichter am Rand zu sehen und Vereinskollegen auf der Strecke zu treffen, die immer nette und aufmunternde, anfeuernde Worte für mich hatten.
Auch der Wechsel aufs Laufen lief ohne das mir aus den Vorwettkämpfen bekannte Tal der Tränen. Lediglich mental etwas herausfordernd war es auf der 3-Runden-Strecke, dass mich die km-Angaben der letzten Runde am Streckenrand auch immer angelacht haben. Wie schön wäre es gewesen, wenn das schon meine km‘s gewesen wären. Die bittere Erkenntnis hat dann zum Teil zu Fotos geführt, die es nicht in meine Top10 geschafft haben. 
Egal, drei von der Anfeuerung getragene Runden später durfte ich ich dann zwar regennass, aber überglücklich und auch ein bisschen stolz nach vorher zweimaligem „Zwangsabbiegen“ im Stadion nach Runde 1 und 2 auf den roten Teppich. Dafür hat sich alles gelohnt. Im Ziel hat mein Körper dann kurz gefragt, ob denn jetzt „endlich gut ist“ und ich musste ihm etwas versprechen, das ich jetzt, mit etwas Abstand, leider schon nicht mehr halten kann. Ich denke, es wird für mich weitergehen.

Frank Wacker

 

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Neue Bestzeit beim „zweiten Mal“
Nach meinem ersten Start über die Ironman 70.3-Distanz, 2022 in Hoorn am Ijsselmeer (NL), war ich sehr angefixt. Gut vorbereitet, akribisch nach einem Trainingsplan trainierend, stürzte ich damals 14 Tage vor dem Start mit dem Rad und konnte nur noch mit Krämpfen laufen. Glücklich und mit guter Strategie finishte das Rennen dennoch.
Diesmal ging es mit dem BW-Team zum Heim-Spiel für Ruhrpottler nach Duisburg. Anmeldung und Bike-Check-in im Team waren perfekt, erhöhten aber auch den Spannungsbogen. Wir hatten in der Gruppe Spaß und man nahm mir die Nervosität, etwas… (nicht wirklich;-)
Bei durchwachsenem Wetter, es war jedenfalls nicht zu heiss ;-), konnte ich meine Zeit zum Vorjahr – diesmal ohne Krämpfe – über 50 min verbessern, obwohl ich als „Tütenrührer“, wie Eva es bezeichnet, unterm Strich mehr als 1/4 Stunde in der Wechselzone verbrachte.
Fazit: Ein perfektes Rennen mit Super-Leistungen in BW-Team. Gerne wieder.
Lothar Hüther

 

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5 Minuten, 5 Stunden und die Reise um die Welt
Für mein Rennen in Duisburg im vergangenen Jahr habe ich noch immer nicht das passende Wort der Beschreibung gefunden. Fakt ist, dass es mir als eines der extremsten Erlebnisse meiner 40jährigen „Sportkarriere“ in Erinnerung geblieben ist. Ich stand mit einer Achillessehnenverletzung am Start und merkte schon beim Wechsel vom Schwimmen auf’s Rad, dass es mit dem Laufen nichts werden würde. Also trat ich mit dem Wissen um den bevorstehenden 21km langen Spaziergang umso mehr in die Pedale. Das allerdings führte zu einem zwischenzeitlich 10minütigen Vorsprung. Bei Laufkilometer 4 war dann leider Feierabend. 17 lange Kilometer humpelte und stolperte ich begleitet von Wut, Tränen und Enttäuschung ins Ziel. Es wäre DER Tag gewesen, um ganz vorne zu landen. Dann der ungläubige Blick auf die Ergebnisse: Ich hatte wenige Sekunden Vorsprung ins Ziel gerettet – eigentlich unmöglich! Aber meine Altersklasse war an diesem Tag offenbar so schwach besetzt, dass ein Halbmarathon in 2:03 Std gereicht hat. Unfassbar. Zwischen die Schmerzen am Fuß und die mentale Erschöpfung durch die zurückliegende Tortour mischte sich unglaubliche Freude. Mit der Frage: „Nimmst du deinen Startplatz für die WM 2023 in Finnland an?“, der unmittelbar fälligen Entscheidung und dem damit verbundenen (üppigen) Zücken der Kreditkarte war ich in diesem Moment völlig überfordert… und habe „nein“ gesagt… und es zwei Tage später schon bereut.
Es folgten fünf lauffreie Monate und ab Februar eine Vorbereitung auf das Rennen im August mit nur minimalen Laufumfängen und vielen auf das Rad verlegten Einheiten. Dann war es so weit, das Renn-Wochenende begann mit dem gemeinsamen Abholen der Startunterlagen mit dem BW-Team am Freitagnachmittag. Die Stimmung war um Längen besser als das für Sonntag prognostizierte Wetter. Trotz der Wettervorhersage fand ich innere Ruhe und ein gutes Gefühl. Diesmal würde ich nicht „nein“ sagen zur WM, auch wenn diese 2024 nicht im „benachbarten“ Finnland, sondern am anderen Ende der Welt stattfindet. Neben all‘ den WM-Gedanken wollte ich aber vor allem die 5-Stunden-Marke knacken – wenn nicht auf dieser flachen Strecke, wo dann!?
Das Rennen begann meiner aktuell schwachen Schwimmform entsprechend 2 Minuten langsamer als im letzten Jahr. Das nahm ich schulterzuckend zur Kenntnis – ich habe es aufgegeben, nach Ursachen für meine immer wieder massiv schwankende Schwimmform zu suchen. Auf dem Rad fühlte ich mit gut, allerdings war es unglaublich voll auf der Strecke – ein Problem, mit dem man als langsamer Schwimmer und schneller (dann aufholender) Radfahrer leider häufiger zu kämpfen hat und das einen eigenen Fahr-Rhythmus kaum zulässt. Es war teilweise unmöglich, das Windschattenverbot und den Abstand von 12 Metern einzuhalten. Das sahen zum Glück auch die Kampfrichter so, die auf Strafen verzichteten. Alle… bis auf eine, die bei Kilometer 60 plötzlich ein paar blaue Karten (5 Minuten Zeitstrafe) in die Menge warf. Und es traf auch mich. Mit „Wut auf alles“ und mit „innerem Dauer-Fluchen“ fuhr ich bis zum Pavillon bei Kilometer 88, in dem ich dann meine 5minütige Zwangspause einlegen musste. Ja, ich war im Windschatten, wie die 20 Fahrer um mich herum auch. Darüber hatte ich mich eh schon zu Genüge aufgeregt, weil ich „im Pulk“ meine Stärke auf dem Rad nicht ausspielen kann. Volle Radstrecken sind per se ein Nachteil für mich und ich hatte mich daher schon genug geärgert. Und dann die Zeitstrafe… hätten wir uns in Luft auflösen sollen? Warum ausgerechnet ich und noch ein weiterer Fahrer zwischen all den anderen? Das „andere Ende der Welt“ schien erst einmal in weiter Ferne, die 5-Stunden-Marke aber zum Glück noch in Reichweite.
Beim anschließenden Laufen lief’s – vielleicht sollte ich öfter mal vorher 5 Minuten Pause machen ;-). Nach der minimal-Vorbereitung stimmte mich das ziemlich glücklich, was mir wiederum Motivation bescherte, die mich weiter gut am Laufen hielt – ein positiver Kreislauf. Vom Streckenrand bekam ich nach ca. 10 km die Info, dass ich mit einer Minute in Führung läge. Noch einmal kam der Ärger über die Zeitstrafe auf – wie schön hätten sich in diesem Moment „6 Minuten“ angehört… Dennoch blieb ich irgendwie im Flow. Zu Beginn meiner letzten von drei Runden traf ich mit Frank noch einen Blau-Weißen auf seiner ersten Mitteldistanz und freute mich, dass er noch „richtig gut“ aussah und das Ding schon schaukeln würde. Die letzte Runde wurde von schwarzen Wolken begleitet, die uns laut Wetterbericht schon auf der Radstrecke hätten duschen sollen. Ich dachte an Frank, der vermutlich noch in den Genuss einer Abkühlung auf der Strecke kommen würde. Ich selbst nahm die üppige Regendusche pünktlich im Ziel entgegen, dessen Linie ich nach – bäämmm – 4:51 Std überqueren durfte. Und der Blick auf’s Ergebnis verriet: Neuseeland, ich komme!!! :-) Es war einer „dieser“ Tage.

Nicole Pál